Europäischer Eisenbahnverband drängt auf Wiederaufnahme des Zugverkehrs in Zypern
Europäischer Eisenbahnverband drängt auf Wiederaufnahme des Zugverkehrs in Zypern
Der europäische Branchenverband der Eisenbahnzulieferindustrie Unife hat dazu aufgerufen, den Schienenverkehr in Zypern wiederzubeleben. Erstmals seit mehr als 70 Jahren könnten damit erneut Züge auf der Insel verkehren. Als günstige Gelegenheit sieht der Verband die aktuelle EU-Ratspräsidentschaft Zyperns, um konkrete Schritte zur Rückkehr der Eisenbahn einzuleiten.
Nach Angaben von Unife könne Zypern erstmals seit 1951 wieder ein Eisenbahnsystem aufbauen und damit nicht nur die eigene Verkehrsinfrastruktur modernisieren, sondern zugleich die europäische Bahnindustrie stärken. Der Verband betonte, dass strategische Bahnprojekte europaweit von Unternehmen aus der EU nach gemeinsamen europäischen Standards umgesetzt werden könnten, und erklärte seine ausdrückliche Unterstützung für entsprechende Vorhaben.
Ende einer jahrzehntelangen Unterbrechung
Unife erklärte weiter, Zypern habe nun die Chance, die über 70 Jahre andauernde Unterbrechung des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene zu beenden, indem konkrete Planungen für ein neues Eisenbahnnetz aufgenommen werden.
Gleichzeitig forderte der Verband die zypriotische Regierung auf, während der sechsmonatigen EU-Ratspräsidentschaft zentrale politische Weichenstellungen vorzunehmen, um die Sicherheit und Stabilität der europäischen Verkehrsnetze langfristig zu gewährleisten.
Änderungen bei EU-Vergaberegeln und Standards
Konkret sprach sich Unife für Anpassungen an der EU-Richtlinie zum öffentlichen Beschaffungswesen aus. Die laufenden Konsultationen zu möglichen Änderungen enden am 26. Januar. Ziel sei es, sicherzustellen, dass für den Bau und Betrieb europäischer Eisenbahnnetze ausschließlich in der EU hergestellte Produkte verwendet werden, um Versorgungssicherheit und technologische Unabhängigkeit zu stärken.
Darüber hinaus forderte der Verband, der Einführung des europäischen Eisenbahnverkehrsmanagementsystems (ERTMS) höchste Priorität einzuräumen. Dieses einheitliche System zur Steuerung und Sicherung des Bahnverkehrs müsse insbesondere auf den wichtigsten europäischen Verkehrskorridoren umgesetzt werden.
Nach Ansicht von Unife sei dies entscheidend, um sowohl den zivilen als auch den militärischen Schienenverkehr schneller, effizienter und vor allem sicherer zu machen.
Militärische Mobilität als zusätzlicher Faktor
Im Zusammenhang mit militärischen Transporten auf der Schiene verwies der Verband auf das im November vorgestellte Maßnahmenpaket der Europäischen Kommission zur militärischen Mobilität. Dieses müsse konsequent umgesetzt werden.
Das Paket sieht unter anderem eine Vereinfachung grenzüberschreitender Militärbewegungen innerhalb der EU vor und soll bestehende militärische Mobilitätskorridore widerstandsfähiger und leistungsfähiger machen. Die Kommission bezeichnet diese Pläne als einen weiteren Schritt in Richtung einer sogenannten „militärischen Schengen-Zone“.
Unife betonte, dass die geplante Harmonisierung der Eisenbahnstandards ein zentraler Baustein für die zukünftige Nutzung der Schiene sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich sei.
Zusätzlich sprach sich der Verband dafür aus, die Kosten im gesamten Eisenbahnsektor zu senken. Dies könne durch eine weitere Vereinheitlichung technischer Standards sowie durch Vereinfachungen bei regulatorischen Vorgaben erreicht werden, insbesondere mit Blick auf die Cybersicherheit.
Unterstützung aus Brüssel für neue Bahnprojekte
Die Forderung nach einer Rückkehr der Eisenbahn nach Zypern erfolgt vor dem Hintergrund jüngster Aussagen des EU-Verkehrskommissars Apostolos Tzitzikostas. Dieser hatte erklärt, dass der Bau einer neuen Bahnlinie auf der Insel durchaus realistisch sei.
Er betonte, man solle die Idee eines zypriotischen Eisenbahnnetzes nicht belächeln. Eine Verbindung zwischen dem Flughafen Larnaka, Limassol und Nikosia wäre aus seiner Sicht ein deutlicher Gewinn für die Verkehrsinfrastruktur des Landes. Die Europäische Kommission sei grundsätzlich bereit, ein solches Projekt zu unterstützen – auch finanziell.
Zudem verwies Tzitzikostas darauf, dass die zypriotische EU-Ratspräsidentschaft eine gute Gelegenheit biete, ein derartiges Vorhaben auf europäischer Ebene zu diskutieren und voranzubringen.
Zyperns Eisenbahngeschichte
Zypern verfügt seit 1951 über keinen Schienenverkehr mehr. Damals stellte die britische Kolonialverwaltung den Betrieb der Cyprus Government Railway endgültig ein.
Die Eisenbahnlinie war 1905 eröffnet worden und erreichte zwischen 1915 und 1932 ihre größte Ausdehnung. Sie verband das Troodos-Bergdorf Evrychou mit dem Hafen von Famagusta und führte unter anderem über Morphou und Nikosia. Hauptsächlich diente sie dem Transport von Gütern, Rohstoffen und Holz sowie der Versorgung des Inselinneren vom Hafen Famagusta aus.
Wirtschaftlich war der Betrieb jedoch nie dauerhaft rentabel. Ab 1932 wurde das Streckennetz schrittweise verkleinert, bis der letzte Zug am 31. Dezember 1951 von Nikosia nach Famagusta fuhr. In den Jahren 1952 und 1953 wurden die Gleisanlagen vollständig abgebaut.
Frühere Überlegungen zur Rückkehr der Bahn
Bereits im Jahr 2022 war die Idee einer neuen Eisenbahnlinie in Zypern wieder aufgegriffen worden. Damals hatte der frühere Verkehrsminister Yiannis Karousos nach Gesprächen mit der damaligen EU-Verkehrskommissarin Adina Valean erklärt, dass entsprechende Studien bereits vorlägen.
Karousos betonte, es sei möglich, mit einer Stadt- oder Regionalbahn die wichtigsten Städte der Insel sowie den Flughafen miteinander zu verbinden. Eine solche Lösung könne zudem einen spürbaren Beitrag zur Entlastung des Straßenverkehrs leisten. Nach den vorliegenden Studien könne eine Eisenbahnlinie größtenteils innerhalb des bestehenden Straßennetzes realisiert werden.
Autor: Redaktion
Quelle: CyprusMail.com mit freundlicher Genehmigung zur redaktionellen Nutzung.
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