Regen herbeiführen: Ist Wolkenimpfung der richtige Weg in die Zukunft?
Regen herbeiführen: Ist Wolkenimpfung der richtige Weg in die Zukunft?
Da die Stauseen fast leer sind und Zypern ein weiterer Dürrewinter bevorsteht, wird es höchste Zeit für innovative Lösungen.
Angesichts der drohenden vierten Dürreperiode und der extrem niedrigen Wasserstände in den Stauseen der Insel hat das Landwirtschaftsministerium diese Woche bekannt gegeben, dass es den Einsatz von Wolkenimpfung (Cloud Seeding) zur Linderung der Wasserknappheit prüft.
Der ehemalige Leiter des Wetterdienstes, Kleanthis Nicolaides, fordert die Behörden eindringlich auf, diese Maßnahme endlich umzusetzen. Die Regierung hat bestätigt, dass sie die Möglichkeit untersucht – wie ernsthaft, bleibt allerdings offen. Die Technologie an sich funktioniert, ihre Wirksamkeit ist jedoch umstritten.
Nicolaides trat in den vergangenen Tagen mehrfach in den Medien auf und schloss sich der wachsenden Besorgnis über die Wasserlage an. Der Oktober ist bereits verstrichen, ohne nennenswerte Niederschläge.
Die Situation ist alarmierend: Die Stauseen der Insel sind nur noch zu rund 11 % gefüllt.
Obwohl die Regierung die Dramatik der Lage anerkennt, betont sie, Zypern werde nicht ohne Wasser dastehen – die Meerwasserentsalzung solle die Versorgung sichern.
Obwohl die Regierung die Dramatik der Lage anerkennt, betont sie, Zypern werde nicht ohne Wasser dastehen – die Meerwasserentsalzung solle die Versorgung sichern.
Nicolaides bezweifelt jedoch die offiziellen Zahlen und geht davon aus, dass die tatsächlichen Werte noch niedriger liegen. Grund seien Sedimentablagerungen am Boden der Staudämme, die die Messungen verfälschten.
In seinem Appell schlug er mehrere Maßnahmen zur Bekämpfung der Dürre vor, etwa die Errichtung von Anlagen zur Verringerung der Verdunstung auf den Wasseroberflächen.
„Im Durchschnitt verdunstet täglich etwa ein Zentimeter Wasser aus den Stauseen – und das das ganze Jahr über“, erklärte er.
„Solche Systeme hätte man schon vor zwei Jahren installieren müssen. Jetzt ist es zu spät – die Stauseen sind fast leer.“
Als weitere Idee brachte er den Einsatz von Luftentfeuchtern ins Spiel, die sowohl in Innenräumen als auch im Freien genutzt werden könnten – insbesondere in den feuchten Küstenregionen, um der Luft direkt Wasser zu entziehen.
„Und was ist eigentlich aus dem groß angekündigten Programm geworden, wonach Hotels eigene Entsalzungsanlagen errichten sollten? Nichts! Es wurde nur ein Antrag gestellt, und bisher verfügen gerade einmal zwei Hotels über eigene Anlagen“, kritisierte er.
Zudem bemängelte er die massive Wasserverschwendung in Autowaschanlagen, da das Wasser dort nicht recycelt werde.
Der wichtigste Vorschlag bleibt jedoch: Wolkenimpfung.
Nicolaides betont zwar, kein Experte zu sein, doch angesichts der Lage müsse die Regierung diese Möglichkeit endlich ernsthaft prüfen.
Nicolaides betont zwar, kein Experte zu sein, doch angesichts der Lage müsse die Regierung diese Möglichkeit endlich ernsthaft prüfen.
Die Wolkenimpfung ist eine Methode der Wetterbeeinflussung, bei der Substanzen wie Silberiodid, Kaliumiodid, Trockeneis oder Salzpartikel in die Atmosphäre eingebracht werden, um die Bildung von Regen oder Schnee zu fördern.
Dies geschieht meist durch Flugzeuge oder bodengestützte Generatoren; moderne Varianten nutzen auch Drohnen oder Laserimpulse, um Wolken elektrisch zu beeinflussen.
Dies geschieht meist durch Flugzeuge oder bodengestützte Generatoren; moderne Varianten nutzen auch Drohnen oder Laserimpulse, um Wolken elektrisch zu beeinflussen.
„Wäre das teuer? Wahrscheinlich ja“, sagte Nicolaides.
„Aber die Alternative wäre noch viel kostspieliger – zum Beispiel Entschädigungszahlungen in Millionenhöhe an Landwirte durch die staatliche KOAP.“
Tatsächlich warnen Fachleute bereits vor den wirtschaftlichen Folgen:
Wassermangel lässt die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen.
Wassermangel lässt die Preise für landwirtschaftliche Produkte steigen.
Die Wasserbehörde rät Landwirten inzwischen, auf saisonale Kulturen zu verzichten. Das hat Folgen – weniger Salat, weniger Kartoffeln, steigende Preise.
Nicolaides verwies außerdem auf einen Bericht der Bank of Cyprus, der davor warnt, dass zunehmende Wüstenbildung das Wirtschaftswachstum Zyperns gefährden könnte:
„Jemand in der Regierung sollte endlich eine Kosten-Nutzen-Analyse machen und die Zahlen auf den Tisch legen.“
Er erinnerte auch an die Vergangenheit: Bereits in den 1970er-Jahren habe Zypern mit Wolkenimpfung experimentiert, um die Niederschlagsmenge zu erhöhen.
„Damals stiegen mehrere Flugzeuge auf und versprühten Substanzen, um Regen zu erzeugen. In der Presse sprach man davon, ‚die Wolken zu pumpen‘.“
Eine Auswertung der Ergebnisse blieb jedoch aus – der Krieg von 1974 unterbrach das Programm.
Nicolaides erläuterte, was nötig wäre, um die Methode wieder einzusetzen:
Man bräuchte Flugzeuge, geschulte Crews, Techniker und meteorologische Teams, die Wolkenbewegungen beobachten und bewerten, ob der Niederschlag tatsächlich künstlich erzeugt wurde.
Nur bestimmte Wolkenarten sind für eine Impfung geeignet, erklärte er:
„Eine Wolke muss mindestens 6.000 Fuß tief sein und bereits bestehen – man kann keine Wolken erschaffen, nur vorhandene nutzen, um ihr Regenpotenzial zu erhöhen.“
Wenn alles passt, beginne es etwa 15 Minuten nach der Impfung zu regnen.
Für Zypern würden ein oder zwei zweimotorige Turboprop-Flugzeuge ausreichen, die mit Leuchtraketen ausgerüstet sind, um die Substanzen auszubringen.
Auf die Frage nach möglichen Eigeninteressen sagte Nicolaides:
„Ich bin Rentner und kein Geschäftsmann – ich mache diese Vorschläge einfach als besorgter Bürger.“
Die Durchführung einer solchen Maßnahme würde voraussichtlich ein privates Unternehmen im Auftrag der Regierung übernehmen, da der Verwaltung das technische Know-how fehlt.
Tatsächlich haben bereits zwei zypriotische Unternehmen Vorschläge zur Wolkenimpfung eingereicht, wie Philippos Tymvios, Direktor des Wetterdienstes, bestätigte.
Die Vorschläge wurden zwischen Mitte 2024 und Anfang 2025 eingereicht, ergänzt durch weitere Ideen zur Niederschlagssteigerung.
Die Vorschläge wurden zwischen Mitte 2024 und Anfang 2025 eingereicht, ergänzt durch weitere Ideen zur Niederschlagssteigerung.
„Diese Vorschläge werden von unabhängigen Experten geprüft. Es wird keine Entscheidung getroffen, bevor die technische Machbarkeit und Transparenz sichergestellt sind“, sagte Tymvios.
Das Ministerium beobachte internationale Entwicklungen genau und habe Kontakt zu Ländern wie Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten aufgenommen, die über umfangreiche Erfahrung mit Wolkenimpfung verfügen.
„Derzeit gibt es in Zypern jedoch kein aktives Wolkenimpfungsprogramm. Sollte es zu einem Einsatz kommen, würde er auf wissenschaftlicher Basis, unter unabhängiger Aufsicht und im Einklang mit dem öffentlichen Interesse erfolgen.“
Wie ernst die Regierung die Sache tatsächlich nimmt, ist offen.
Auch die Forschung ist sich uneinig:
Eine Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA fand keine statistisch signifikanten Belege für die Wirksamkeit von Cloud Seeding.
Eine Untersuchung der Universität Tel Aviv (2010) kam zu dem Schluss, dass der Einsatz von Silberiodid und Trockeneis kaum messbaren Einfluss auf die Niederschlagsmenge hat.
Trotzdem befassen sich heute weltweit rund 40 Länder mit dieser Technik.
Nicolaides weist darauf hin, dass Zypern heute fast ausschließlich von Entsalzungsanlagen und Brunnen abhängt – das Wasser aus den Stauseen wird nur noch für die Landwirtschaft verwendet.
„Das Wasser, das wir trinken und mit dem wir duschen, stammt ausschließlich aus Entsalzungsanlagen. Und Entsalzung ist keine dauerhafte Lösung.“