Zyprische Bauern demonstrieren im Rahmen eines europaweiten Protests gegen Subventionskürzungen und Handelsabkommen
Zyprische Bauern demonstrieren im Rahmen eines europaweiten Protests gegen Subventionskürzungen und Handelsabkommen
Landwirte aus ganz Zypern haben am Donnerstag in Nikosia vor dem Präsidentenpalast gegen politische Entscheidungen protestiert, die ihrer Ansicht nach die Landwirtschaft in der EU und auf der Insel bedrohen. Die Aktion war Teil einer koordinierten Mobilisierung von Bauernverbänden in ganz Europa, die in vielen Hauptstädten und in Brüssel gleichzeitig stattfand.
Vertreter von sechs zyprischen Landwirtschaftsorganisationen – darunter PEK, EKA, Panagrotikos, Nea Agrotiki Kinisi und Euroagrotikos sowie die Pancyprian Grain Producers Organisation – überreichten ein gemeinsames Memorandum an Andreas Gregoriou, den Generalsekretär des Landwirtschaftsministeriums, im Namen von Präsident Nikos Christodoulides. Anschließend zogen die Landwirte mit Traktoren in Richtung „House of Europe“, um dort zusätzlich ihre Forderungen an die EU-Vertreter zu übergeben.
Hintergrund: Warum die Bauern auf die Straße gehen
Die Proteste haben lokale und europäische Gründe:
1. Dringende wirtschaftliche Probleme vor Ort
- Bauern fordern die sofortige Aktivierung von Maßnahme 23 des aktuellen EU-Agrarplans (CAP 2023–2027), um finanzielle Verluste durch die anhaltende Dürre und extreme Wetterbedingungen im Jahr 2025 auszugleichen und die Zahlungsfähigkeit der Betriebe zu sichern.
- Sie kritisieren massive Bürokratie- und Verzögerungsprobleme, etwa beim Landamt, wo Anträge auf Pacht von staatlichem Land seit Jahren unbearbeitet sind.
- Die Organisationen verlangen klare gesetzliche Regelungen, damit alle professionellen Landwirte – unabhängig vom Flüchtlings- oder Eigentumsstatus – landwirtschaftliche Flächen nutzen können, einschließlich türkzyprischer Landparzellen.
2. Europäische Agrarpolitik und internationale Handelsabkommen
Auf EU-Ebene fordern die Bauern:
- Ein starkes und gut finanziertes Gemeinsames Agrarpolitik-(GAP-)Programm nach 2027, dessen Budget nicht inflationär entwertet wird.
- Faire Handelsbedingungen, darunter strengere Kontrollen von Importen aus der Ukraine und eine Überarbeitung des EU-Marokko-Abkommens sowie das Ende von Nullzöllen für Grundnahrungsmittel mit den USA.
- Die Verschiebung der Einbeziehung von Düngemitteln in den Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), der ab Januar 2026 greifen soll, weil die zusätzlichen Kosten für die Bauern nicht tragbar wären.
Zudem lehnen sie das geplante Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) strikt ab, da es ihrer Ansicht nach zu unfairem Wettbewerb und Einkommensverlusten bei europäischen Produzenten führen würde.
Kontext: Europäische Bauernproteste 2025
Die Proteste auf Zypern sind kein Einzelereignis, sondern Teil einer größeren Welle von Unruhen in der EU, da Bauern in vielen Mitgliedstaaten zunehmend gegen geplante Kürzungen bei der GAP-Finanzierung, steigende Produktionskosten und den zunehmenden Druck durch Billigimporte demonstrieren.
- In Brüssel versammelten sich Tausende Bauern aus mehreren EU-Ländern, blockierten Straßen mit Traktoren und forderten die EU-Politik heraus. Medien berichten von angekündigten Aktionen im Zusammenhang mit Debatten über die künftige GAP-Finanzierung und wichtige EU-Summits.
- In anderen Ländern wie Belgien und Frankreich protestierten Landwirte ebenfalls lautstark gegen den Mercosur-Handelspakt und die Perspektive sinkender Preise für Agrarprodukte, was nicht selten zu Konfrontationen mit der Polizei führte und die Spannungen zwischen Bauern und Behörden weiter verschärfte.
- Diese Protestbewegung knüpft an die Breitere EU-Bauernproteste seit 2023/24 an, bei denen unter anderem der Umgang mit Klimapolitik, Düngemittelregulierung, Diesel-Subventionen und Nicht-EU-Importen kritisiert wurde.
Stimmen aus Politik und Landwirtschaft
Während Landwirtschaftsministerin Maria Panayiotou betonte, dass eine starke und faire Agrarpolitik im Interesse Europas sei, kritisierten die Bauernführer die bisherigen Vorschläge als unzureichend und warnen, dass ohne deutliche politische Antworten die Existenz der bäuerlichen Landwirtschaft in Gefahr sei.
Zusammenfassung: Der Protest der zyprischen Bauern ist Ausdruck eines tiefen Unmuts über EU-Agrarpolitik, Handelsabkommen und strukturelle Probleme im Agrarsektor. Er steht in direkter Verbindung mit einer breiteren Bewegung in der EU, die eine grundlegende Neuorientierung der Agrar- und Handelspolitik fordert.
Autor: MF-Redaktion
Quellen: REUTERS / POLITIS / facebook
Autor: MF-Redaktion
Quellen: REUTERS / POLITIS / facebook