Weihnachtsmärkte Deutschland: Mitarbeiter verschieben Terror-Poller im Dauereinsatz – ein fragwürdiges Sicherheitskonzept
Weihnachtsmärkte Deutschland: Mitarbeiter verschieben Terror-Poller im Dauereinsatz – ein fragwürdiges Sicherheitskonzept
Wer derzeit über den Rathausplatz in Augsburg geht, sieht nicht nur Buden, Beleuchtung und Glühweinduft. Man bekommt auch die Konsequenzen einer jahrelang verfehlten Migrationspolitik direkt vor Augen geführt. Ein Video, das sich in Windeseile verbreitet hat, zeigt drei Sicherheitsmitarbeiter in gelb-blauen Jacken, wie sie einen mobilen Stahlpoller anheben, zur Seite rollen und anschließend wieder genau an die ursprüngliche Stelle zurückschieben. Wenige Minuten später das gleiche Spiel: Die nächste Straßenbahn kommt – Poller weg, Straßenbahn vorbei – Poller wieder hin. Immer wieder. Tag für Tag.
Was wirkt wie eine Szene aus einer absurden Comedy-Sendung, ist tatsächlich ein Teil des offiziellen Sicherheitskonzepts für den Augsburger Christkindlesmarkt. Seit Montagabend gilt der Straßenabschnitt vor dem Rathaus als gesperrt. Nur Straßenbahnen und Einsatzfahrzeuge dürfen passieren. Um das Stadtbild nicht mit schweren Betonblöcken zu verschandeln, nutzt die Stadt mobile Pitagone-Sperren – Stahlbarrieren, die Fahrzeuganschläge verhindern sollen.
Praktisch ist das Ganze jedoch kaum: Jedes Mal, wenn eine Tram auftaucht, müssen die tonnenschweren Sperren manuell zur Seite bewegt werden. Drei Mitarbeiter schieben die Stahlblöcke mit bloßer Muskelkraft und einem kleinen Hubwagen millimetergenau weg – nur um sie Sekunden später wieder zurückzusetzen.
Kostenfaktor: Poller-Schieben im fünfstelligen Bereich
Auf Anfrage von NIUS teilte ein Sprecher der Stadt Augsburg mit, dass diese Sperren schon bei anderen Großveranstaltungen zum Einsatz gekommen seien und nicht speziell für den Weihnachtsmarkt angeschafft wurden. Sie seien flexibel nutzbar – zumindest theoretisch. Praktisch entsteht ein Personalaufwand im „mittleren fünfstelligen Bereich“.
Frank Pintsch (CSU), Ordnungsreferent der Stadt, hält das Vorgehen für notwendig. Die Sperren würden nach Ende der Lieferzeiten aktiviert und dienten dem Schutz der Besucher.
Auch Frankfurt setzt ein vergleichbares System ein. Dort sind ebenfalls mehrere Mitarbeiter nötig, um die Barrieren ständig zu öffnen und wieder zu schließen.
Explodierende Kosten: Weihnachtsmärkte geraten unter Druck
Die Kosten für Stadtfeste und ähnliche Veranstaltungen sind in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt um 44 Prozent gestiegen. Laut Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing (bcsd) mussten bereits 57 Prozent der Veranstalter ihre Events kürzen oder komplett absagen.
Die Gründe:
- immer strengere Sicherheitsauflagen
- steigender Personalbedarf
- höhere Gebühren (z. B. GEMA, Brandschutz)
- teure technische Infrastruktur
Viele Stadtmarketingorganisationen schreiben längst keine schwarzen Zahlen mehr. Die Mehrheit muss sogar eigenes Geld zuschießen.
„Terrorabwehr ist Aufgabe des Staates“ – aber Kommunen bleiben auf den Kosten sitzen
bcsd-Chef Gerold Leppa warnt:
Die Verantwortung werde zunehmend von staatlicher Ebene nach unten an Städte und Veranstalter abgegeben – inklusive Kosten für Poller, Absperrungen und Sicherheitslogistik.
Die Verantwortung werde zunehmend von staatlicher Ebene nach unten an Städte und Veranstalter abgegeben – inklusive Kosten für Poller, Absperrungen und Sicherheitslogistik.
Dazu kommt wirtschaftlicher Druck: Sponsoren springen weg, Händlergemeinschaften können immer seltener aushelfen, und Kommunen selbst stehen finanziell oft am Limit.
Wenn sowohl Sponsoren als auch Städte ausfallen, bricht das System der öffentlichen Veranstaltungen schlichtweg zusammen.
Weihnachtsmärkte finden 2025 zwar statt – aber die Probleme bleiben
Laut Deutschem Schaustellerbund gibt es dieses Jahr nur wenige Absagen. Doch das ist kein Grund zur Entwarnung. Die Lage bleibt fragil – besonders nach dem Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt im Vorjahr, bei dem sechs Menschen starben und über 300 verletzt wurden. Dort war der diesjährige Markt zunächst komplett untersagt worden und wurde erst nach langen Verhandlungen, zusätzlichen Maßnahmen und neuen Sicherheitsauflagen genehmigt.
Der Fall zeigt deutlich:
Die öffentliche Erwartung ist, dass Veranstalter Verantwortung übernehmen – selbst bei Terroranschlägen. Leppa nennt das eine gefährliche Entwicklung und eine Umkehr der Zuständigkeiten.
Die öffentliche Erwartung ist, dass Veranstalter Verantwortung übernehmen – selbst bei Terroranschlägen. Leppa nennt das eine gefährliche Entwicklung und eine Umkehr der Zuständigkeiten.
Kernaussage des Stadtmarketing-Verbandes
- Veranstalter sind für Rettungswege, Sanitätsdienst und organisatorische Sicherheit zuständig.
- Terrorabwehr hingegen ist Aufgabe des Staates – und nicht der Kommunen oder ehrenamtlichen Festorganisatoren.
Autor: MF-Redaktion
Quellen: Reuters / News-German