Is Cyprus a mecca for influencers? - Influencers in Cyprus – Opportunity or Risk for the Business Location?
Is Cyprus a mecca for influencers? - Influencers in Cyprus – Opportunity or Risk for the Business Location?
Alina und Jonathan Schöck
CyprusMail.com
Von Johanna Pauls
CyprusMail.com
Von Johanna Pauls
Hat der Mangel an Regulierung die Insel zu einer Goldgrube für digitale Content-Creator gemacht?
Zypern gilt seit Langem als sicherer Hafen für internationale Unternehmen. Das Land profitiert von einer der niedrigsten Unternehmenssteuersätze Europas, der erst kürzlich auf 15 Prozent angehoben wurde.
Dieser vergleichsweise niedrige Steuersatz hat in den vergangenen Jahren zunehmend digitale Content-Creator aus aller Welt dazu veranlasst, ihren Wohn- und Geschäftssitz auf die Insel zu verlegen. Ihre Einkünfte lassen sich jedoch deutlich schwerer überprüfen als die Bilanzen klassischer Unternehmen.
Doch was genau macht Zypern für Influencer so attraktiv?
„In Deutschland habe ich die Hälfte meines Geldes an Steuern gezahlt, und es war völlig normal. Jetzt lebe ich in Zypern und zahle 12,5 Prozent Körperschaftsteuer und 2,5 Prozent auf Unternehmensgewinne“, sagt der Content-Creator Rico Go in einem YouTube-Video aus dem Jahr 2022 – noch vor der Einführung des neuen Steuersatzes von 15 Prozent im Januar.
Rico Go betreibt offenbar ein eigenes Unternehmen auf der Insel und produziert zugleich aufmerksamkeitsstarke Inhalte für seine rund 145.000 YouTube-Abonnenten. Er ist Teil eines ganzen Subgenres von Influencern, das sich rund um Zypern entwickelt hat: Digitale Content-Creator, die das Land gezielt als sonnigen Niedrigsteuerstandort bewerben.
In seinen Inhalten wirbt Rico Go zudem aktiv für das Unternehmen „tax.one“, das mit dem Slogan „Escape high taxes. Protect your wealth. Gain freedom.“ auftritt. Das Unternehmen bietet Steuer-, Vermögens- und Relocation-Beratung für Zypern und die Vereinigten Arabischen Emirate an. Ein erstes Beratungsgespräch ist bereits ab 200 Euro buchbar.
Auf der Website ist ein Foto zu sehen, das ihn gemeinsam mit einem Kollegen vor einer Präsentationsfolie mit der Überschrift „I hate paying taxes just like you“ zeigt. Weder Rico Go noch tax.one reagierten auf eine Anfrage der Cyprus Mail.
Zwei weitere deutsche Influencer, Alina und Jonathan Schöck, mit über 600.000 YouTube-Abonnenten, begannen kurz nach ihrem eigenen Umzug nach Zypern im Jahr 2022 ebenfalls damit, Relocation-Dienstleistungen anzubieten.
Gemeinsam mit David Aufinger betreibt Jonathan Schöck die Plattform „Zypern Lifestyle“. Angeboten werden ein kostenloses Erstgespräch sowie ein digitaler Videokurs über Zypern als Unternehmensstandort zum Preis von 330 Euro.
„Unser Videokurs und unsere exklusive Community sorgen dafür, dass du erfolgreich in Zypern startest“, heißt es auf der Website.
Im Gespräch mit der Cyprus Mail erläutert Aufinger das Geschäftsmodell:
„Wir bieten keine Rechts- oder Steuerberatung an, sondern fungieren als Schnittstelle zwischen Auswanderern und lokalen Behörden sowie juristischen und steuerlichen Partnern wie Anwälten, Steuerberatern und Notaren.“
Als einen der Hauptgründe für die Attraktivität Zyperns nennt die Website die sogenannte 60-Tage-Regel, die das Land besonders interessant für digitale Nomaden und international tätige Unternehmer macht.
Diese Regelung, die 2002 eingeführt und zuletzt 2017 angepasst wurde, besagt, dass eine Person als steuerlich ansässig in Zypern gilt, wenn sie sich mindestens 60 Tage im Jahr im Land aufhält, in keinem anderen Staat mehr als 183 Tage verbringt, in Zypern geschäftlich tätig ist und dort keine andere steuerliche Ansässigkeit begründet.
„Das zypriotische Recht hat sich bislang nicht mit der Tätigkeit von Influencern befasst. Es gibt weder spezielle gesetzliche Regelungen noch relevante Rechtsprechung“, erklärt der Rechtsprofessor und Dekan der juristischen Fakultät der Universität Nikosia, Achilleas Emilianides.
Emilianides, der regelmäßig rechtliche Einschätzungen für Medien liefert, wirkte 2024 an einer Studie der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle (EAO) mit, die nationale Regelungen für Influencer innerhalb der EU untersucht.
„Das führt dazu, dass allgemeine rechtliche Vorschriften, die theoretisch anwendbar wären, in der Praxis häufig ignoriert werden und die Tätigkeit von Influencern faktisch unreguliert bleibt“, so Emilianides.
„Das ist problematisch, da es den Verbraucher- und Allgemeinschutz schwächt.“
Doch was gilt überhaupt als Influencer?
Abgesehen vom Mangel an Regulierung stellt sich die grundlegende Frage, wer rechtlich als Influencer einzustufen ist. Eine gesetzliche Definition existiert in Zypern bislang nicht. Orientierung bietet jedoch ein Leitfaden der Cyprus Advertising Regulation Organisation (CARO).
Demnach können Influencer unter bestimmten Voraussetzungen als Anbieter audiovisueller Mediendienste gelten, sofern ihre Tätigkeit den Kriterien des zypriotischen Rundfunk- und Fernsehgesetzes entspricht.
Ein Blick auf die Website der deutschen Influencerin Romina Palm, die über 1,3 Millionen Instagram-Follower verfügt, zeigt, dass für ihr Unternehmen die zypriotische Radio- und Fernsehbehörde (CRTA) als zuständige Aufsichtsbehörde genannt wird.
Palm hat ihr Unternehmen in Zypern registriert und lebt seit 2025 zeitweise auf der Insel – gemeinsam mit ihrer Tochter und ihrem Verlobten Christian Wolf. Dieser ist selbst Fitness-Influencer und vermarktet Nahrungsergänzungsmittel über seinen Instagram-Account mit 1,5 Millionen Followern.
Ein Video aus dem Juli 2025 mit dem Titel „We are home“ zeigt das Paar vor einem Pool mit Meerblick. Trotz Wohnsitz auf Zypern reisen sie regelmäßig zwischen Zypern, Südafrika und Deutschland.
Das Management von Romina Palm teilte der Cyprus Mail mit, dass sie derzeit für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stehe.
Was wurde getan – und was muss noch geschehen?
Das Paar steht stellvertretend für viele Content-Creator, die sich in den letzten Jahren auf Zypern niedergelassen haben. Neben Lifestyle-Influencern verzeichnet das Land inzwischen weltweit den höchsten Anteil weiblicher OnlyFans-Creator – überwiegend nicht-zypriotischer Herkunft.
Diese Influencer, ob aus den Bereichen Lifestyle, Finanzen oder Erotik, sind Teil einer wachsenden Community mit vielfältigen digitalen Einnahmequellen, von Werbung über Online-Kurse bis hin zu bezahlten Beratungen.
Angesichts der öffentlich zur Schau gestellten Lebensstile stellt sich die Frage, ob Zypern über ausreichende Kontroll- und Durchsetzungskapazitäten verfügt.
Im Oktober 2025 deckte die zypriotische Steuerbehörde rund 300 Personen und Unternehmen auf, darunter mehrere ausländische Einwohner, die Einnahmen über OnlyFans und andere Online-Plattformen erzielt hatten, ohne diese zu deklarieren.
„Die Steuerbehörde ergreift im Rahmen der verfügbaren Ressourcen alle notwendigen Maßnahmen, um relevante Informationen zu sammeln und bei Verstößen gegen die Steuergesetze entsprechende Schritte einzuleiten“, erklärte das Finanzministerium gegenüber der Cyprus Mail.
Konkrete Zahlen zur Anzahl registrierter Influencer in Zypern konnte das Ministerium jedoch nicht nennen, da diese keiner eigenen Steuerkategorie zugeordnet sind.
Seit Frühjahr 2025 geht Zypern verstärkt gegen nicht deklarierte Einnahmen und irreführende Werbung vor. Steuer- und Verbraucherschutzbehörden nutzen verstärkt digitale Analysetools und Daten aus sozialen Netzwerken.
Zypern ist damit kein Einzelfall: Stand 2024 hatten lediglich zwei europäische Länder eine rechtliche Definition des Begriffs „Influencer“ eingeführt.
Dennoch gibt es Fortschritte. Im März 2024 unterzeichneten CARO und der Verbraucherschutzdienst des Handelsministeriums ein fünfjähriges Memorandum of Understanding, um Verbraucher besser über die kommerziellen Absichten hinter Influencer-Inhalten aufzuklären.
„Grundsätzlich ist es positiv, wenn Influencer nach Zypern kommen, da es sich um eine wachsende wirtschaftliche Tätigkeit handelt“, sagt Emilianides.
„Das ist jedoch nur dann positiv, wenn klare Aufsicht besteht, Pflichten bekannt sind und Steuern ordnungsgemäß gezahlt werden.“
Er warnt davor, dass Zypern sonst aus den falschen Gründen attraktiv werden könnte.
„Wenn Zypern als Steueroase wahrgenommen wird, in der Influencer wegen fehlender Regulierung und Kontrolle tätig sind, wäre das eine negative Entwicklung.“
Meinung der Redaktion:
Sind Unternehmer, Influencer und digitale Creator ein Problem für Zypern?
So kommt es zumindest im Artikel rüber.
Meinung der Redaktion:
Sind Unternehmer, Influencer und digitale Creator ein Problem für Zypern?
So kommt es zumindest im Artikel rüber.
Die Debatte rund um Influencer und digitale Unternehmer in Zypern wird derzeit stark zugespitzt geführt. Dabei geht es weniger um einzelne Akteure als um die grundsätzliche Frage, wie der Wirtschaftsstandort Zypern mit modernen, ortsunabhängigen Geschäftsmodellen umgeht.
Zypern ist kein Industriestandort, sondern lebt von Dienstleistungen, Tourismus und internationalem Kapital. Unternehmer, Influencer und digitale Creator fügen sich genau in dieses wirtschaftliche Modell ein. Sie gründen Unternehmen, mieten oder kaufen Immobilien, konsumieren lokal und zahlen Steuern. Wirtschaftlich sind sie daher kein Randphänomen, sondern ein realer Faktor.
Der Unterschied zu klassischen Unternehmern liegt vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung. Während eine internationale Beratungsgesellschaft kaum auffällt, stehen Influencer aufgrund ihrer Reichweite und ihres Lebensstils stärker im Fokus. Das erzeugt Aufmerksamkeit – und Kritik.
Das eigentliche Problem ist jedoch nicht ihre Präsenz, sondern die bislang fehlende klare Regulierung. Unklare Definitionen und Graubereiche haben zu Unsicherheit geführt, nicht zu einem systematischen Fehlverhalten.
Im internationalen Wettbewerb steht Zypern in direkter Konkurrenz zu Standorten wie Dubai, Malta oder Portugal. Überregulierung oder pauschale Verdächtigungen würden diesen Wettbewerb schwächen.
Fazit:
Unternehmer, Influencer und digitale Creator sind kein Problem für Zypern, sondern eine Chance. Entscheidend ist, dass der Staat klare, faire und transparente Rahmenbedingungen schafft – ohne den Standortvorteil zu verspielen.
Quelle: CyprusMail.com mit freundlicher Genehmigung zur redaktionellen Nutzung
Autorin: Johanna Pauls