Mühlhiasl – The Bavarian seer and his gloomy visions for Europe


Mühlhiasl – The Bavarian seer and his gloomy visions for Europe

Wer war Mühlhiasl?

Der Name „Mühlhiasl“ steht für eine Gestalt, die sich tief in der bayerischen Volkskultur verankert hat. Hinter der Figur soll Matthias Lang (ca. 1753–1805) aus dem Raum Rabenstein im Bayerischen Wald stehen – ein Mann, der in den Erzählungen als einfacher Bauer, als Naturbeobachter und schließlich als „Seher“ beschrieben wird.
Historisch gesicherte Dokumente gibt es kaum. Vieles basiert auf mündlicher Überlieferung, die erst Jahrzehnte später aufgeschrieben wurde. Dennoch hat sich Mühlhiasl bis heute als Symbol für bayerische Volksprophetie gehalten.
Interessant: Einige seiner Aussagen werden mit denen von Alois Irlmaier verglichen, obwohl beide zeitlich weit auseinander liegen. Die Ähnlichkeit vieler Motive ist auffällig – aber wissenschaftlich ungeklärt.

Wofür ist Mühlhiasl bekannt?
Die ihm zugeschriebenen Prophezeiungen kreisen um Themen, die auch heute wieder diskutiert werden. Sie sind nicht datiert, aber sie beschreiben Entwicklungen, die viele Menschen aktuell als real empfinden.

1. Gesellschaftlicher Zerfall
In mehreren Überlieferungen heißt es sinngemäß:
„Die Menschen werden einander nicht mehr verstehen. Der Glaube fällt. Die Sitten gehen zugrunde.“
Diese Zeilen werden oft als Hinweis auf Polarisierung, Vertrauensverlust und soziale Spaltung interpretiert – Entwicklungen, die Europa seit einigen Jahren prägen.

2. Wirtschaftliche Krise und Wertverlust
Mühlhiasl sprach von einer Zeit, in der:
  • Geld seinen Wert verliert
  • die Preise steigen
  • Bauern und Arbeiter kaum überleben können
Historiker sehen darin typische Warnbilder der damaligen Zeit. Viele interpretieren diese Aussagen heute im Kontext von Inflation, Energiepreisen und geopolitischen Unsicherheiten.

3. Ein Krieg, der überraschend kommt
Wie bei Irlmaier finden sich auch bei Mühlhiasl Hinweise auf einen plötzlichen militärischen Konflikt in Europa:
„Er kommt von Osten her, schnell und ohne Vorwarnung.“
Viele dieser Sätze wurden allerdings erst lange nach seinem Tod festgehalten – daher ist unklar, wie authentisch diese Überlieferungen sind. Dennoch beeinflussen sie bis heute Diskussionen über Sicherheit, NATO-Grenzen und geopolitische Risiken.

4. Naturkatastrophen
Der Bayerische Wald, geprägt von Unwettern, Stürmen und rauem Klima, spiegelt sich in seinen Aussagen wider:
  • schwere Stürme
  • Ernteausfälle
  • Waldsterben
Auch hier drängen sich Parallelen zu heutigen Klimadebatten auf – unabhängig davon, wie ernst man Prophezeiungen nimmt.

Wie zuverlässig sind die Überlieferungen? ((Ganz nüchtern:))

Es gibt keine Originaldokumente von Mühlhiasl.
Alle bekannten Zitate wurden erst viel später gesammelt – oft Jahrzehnte nach seinem Tod.
Volkskundler gehen davon aus, dass mehrere bayerische Seherfiguren zu einer Legende verschmolzen wurden, darunter auch der sogenannte „Stormberger“. Damit ist Mühlhiasl eher ein Produkt traditioneller Erzählkultur als ein historischer Hellseher im modernen Sinn.
Doch gerade diese Mischung aus Mythos und Realität macht seine Figur spannend.

Warum ist Mühlhiasl heute wieder so präsent?
Weil seine Bilder – ganz gleich, wie alt sie sind – erschreckend gut in unsere Zeit passen:
  • politische Spannungen
  • Misstrauen gegenüber Regierungen
  • Diskussionen über Freiheit, Überwachung und Migration
  • wirtschaftliche Unsicherheiten
  • Krieg in Europa
  • Naturkatastrophen und Klimawandel

Viele Menschen suchen Orientierung und vergleichen historische Warnbilder mit aktuellen Entwicklungen. Mühlhiasl wird dabei oft als mahnende Stimme vergangener Generationen gesehen – nicht als Prophet, sondern als Spiegel unserer Ängste und Fragen.

Kritische Einordnung – ganz ohne Esoterik
MFRadio.de steht für nüchterne, unabhängige Information. Deshalb gilt:
  • Prophezeiungen sind keine Fakten.
  • Sie dürfen nicht als politische Instrumente missbraucht werden.
  • Sie zeigen jedoch, wie Menschen in Krisenzeiten denken – damals wie heute.
Mühlhiasl ist weniger ein Hellseher als ein kulturelles Archiv bayerischer Sorgen, Hoffnungen und Weltbilder.

Was bedeutet das für unsere Gegenwart?
Ob man an Prophezeiungen glaubt oder nicht – Mühlhiasl erinnert uns daran, dass Europa immer wieder an Wendepunkten stand. Viele seiner Bilder lassen sich als Warnung verstehen:
  • Pass auf deine Freiheit auf.
  • Hinterfrage, was politisch passiert.
  • Rechne mit unerwarteten Veränderungen.
  • Verlass dich nicht blind auf Systeme.
  • Stärke deine Gemeinschaft und Selbstverantwortung.
Damit trifft Mühlhiasl – bewusst oder unbewusst – den Kern dessen, was viele Auswanderer, Systemkritiker und Freidenker heute bewegt.

Fazit
Mühlhiasl bleibt ein faszinierendes Stück bayerischer Kulturgeschichte. Seine Worte sind keine Vorhersagen, aber sie sind ein Spiegel unserer Zeit – und vielleicht ein Hinweis darauf, wie sensibel Europa auf Umbrüche reagiert.



Der Mühlhiasl und die Mühle in Apoig

Neue Erkenntnisse über das Leben des Mühlhiasl – von Kornel Klar, Ortschronist, 4/2000


Hier soll der legendäre Waldprophet Mühlhiasl gelebt und sinniert haben.
Hunderdorf ist die Heimat des legendären Waldpropheten Mühlhiasl. Die Stätten, die schicksalhaft das Leben des Mühlhiasl beeinflußt haben, sind die Mühle in Apoig, das Kloster Windberg und die Klostermühle in Dambach.
 
Die Ortschaft Apoig, Geburtsort des Mühlhiasl, lag bis in die sechziger Jahre in der Gemeinde Hunderdorf. Heute ist sie mit dem Ort Hunderdorf verschmolzen. Nur noch die Apoiger Straße und eine Tafel vor der Gaststätte Sandbiller erinnern an diesen Namen, der in der Vergangenheit bekannter war als der Hauptort Hunderdorf. Zur Mühle im ehem. Apoig weist heute der "Mühlhiaslweg" hin.
 
Seine Berühmtheit erlangte der Ort Apoig durch den Seher und Propheten Mühlhiasl, der auf der dortigen Mühle zur Welt gekommen ist. Wann diese Mühle erbaut worden ist, konnte bisher nicht erforscht werden; sicher ist sie schon sehr alt und muß zu den vielen Mühlen gezählt werden , die schon im Mittelalter entstanden sind. Das Wasser der zahlreichen Bäche und kleinen Flüsse des Bayerischen Waldes haben schon sehr früh die Menschen zum Antrieb von Wasserwerken wie Mühlen, Hammerschmieden und in neuerer Zeit mit Turbinen zur Erzeugung elektrischen Stroms angeregt.
 
Die älteste bekannte Kunde von der Mühle zu Apoig stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. 1676 war ein Kaspar Hagnberger Müller auf der Apoiger Mühle. In diesem Jahr nämlich fand seine Trauung mit seiner Verlobten Maria statt. Kaspar muß bald gestorben sein und hinterließ keine Nachkommen.
Unweit von Apoig, in der Ortschaft Höllmühle bei Mitterfels, lebte auf der dortigen Mühle die Müllersfamilie Lang. Von den vielen männlichen Kindern konnten nicht alle auf die Erbschaft der Mühle hoffen. Als nämlich Sohn Joachim Lang vom Tode des Hagnbergers erfuhr, sah er die Möglichkeit, durch die Heirat mit der Witwe Hagnbergers selbständig zu werden. So kam es, daß sein Werben erhört wurde und er 1669 die Witwe Maria vor den Altar führen konnte. Diese Ehe begründete die Linie der Lang auf der Apoiger Mühle, die in der Folge in fünf Generationen in Apoig zu finden waren.
 
Der Ehe entsprossen sicher mehrere Kinder. Eines davon, Simon Lang, wurde zum Vater des 1722 (oder 1725) geborenen Matthias Lang. Dieser war das einzige Kind des Simon Lang. Er heiratete am 06. Juli 1745 die Anna Maria Iglberger vom nahen Orte Grub, mit der er die Kinder Mathäus (Mühlhiasl), geb. 16.09.1753, Johann, geb. 25.04.1755, Anna, geb. 1757 und Anna Maria, geb. 1762 hatte. Da der Vater der Kinder 1770 als Witwer genannt wird, muß seine Frau Anna Maria früh gestorben sein. Er ging eine zweite Ehe ein und zeugte noch die Kinder Joseph, geb. 1781, Wolfgang und Jakob.
 
Der berühmteste unter den vielen Kindern war Mathäus, der als Mühlhiasl über die Grenzen seiner Heimat als Seher und Prophet bekannt geworden ist. Er wurde von Pater Johannes Nepomuk Altmann im Kloster Windberg getauft, als Taufpate fungierte Georg Bayr (Baier) von Buchberg (Vorderbuchberg), damals Pfarrei Hunderdorf. Auf der unteren Klostermühle in Dambach erlernte der Mühlhiasl das Müllerhandwerk.
 
Vom Bruder seines Vaters entstammt dessen Sohn Johann Georg Lang, der später Müller in Dambach wurde. Dieser heiratete 1789. Mühlhiasl`s Bruder Johann war bis 1801 Hüter (Hirte) im Kloster Windberg und dann Mühlknecht bei Lettl auf der oberen Klostermühle in Apoig. Halbbruder Josef arbeitete auf der väterlichen Mühle in Apoig.
 

Der Mühlhiasl als Müller

Im Jahre 1788 ehelichte Mühlhiasl die Barbara Lorenz von Recksberg bei Haibach. Sie schenkte ihm acht Kinder; jüngster Sohn war Johann Evangelist; zwei Buben und eine Tochter starben früh.
 
Schon im Jahre 1778 hat der Mühlhiasl die Mühle in Apoig von seinem Vater übernommen (bei Backmund erst 1799). Anders als seine Vorfahren, war der Mühlhiasl ein schlechter Wirtschafter. Ob der reiche Kindersegen oder andere Umstände daran schuld waren, wir wissen es nicht. Er kaufte schlechtes Getreide und verdarb somit das Geschäft. In seiner finanziellen Not nahm er 1799 vom Kloster Windberg ein Darlehen von 75 Gulden auf. Da er in der Folgezeit die Schulden nicht abzahlen konnte, mußte er 1801 von der Mühle weichen, die im Besitz des Klosters war. In diesem Zusammenhang hat er eine Prophezeiung gemacht, die das Schicksal des Klosters betraf. Als man ihn einmal vor der Klosterpforte stehen ließ und ihn verjagte, weissagte er: „Gut, ich gehe, aber so wie ihr mich jetzt verjagt, so werden euch bald andere aus dem Kloster jagen!“. Schon zwei Jahre später wurden bei der Säkularisation 1803 die Patres aus dem Kloster vertrieben.
 

Das Schicksal des Mühlhiasl

Nun war der Mühlhiasl heimatlos. Mit seiner Familie fand er zunächst im Nebengebäude der unteren Klostermühle in Dambach Unterschlupf, wo seine Großmutter und ein Sohn starben. Manche wollen wissen, daß seine Frau Barbara zu den Eltern nach Recksberg und dann zu Verwandten nach Straubing gezogen ist, wo sie in einer Gärtnerei Arbeit fand und diese 1805 erwerben konnte. Von seinem Halbbruder Joseph verliert sich jede Spur; zwei seiner Töchter verdingen sich als Hausmädchen und heiraten, zwei Buben sollen ausgewandert sein.
 
Die Mühle in Apoig wurde 1801 an den Müller Josef Lettl von Irlbach um 3450 Gulden verkauft, die er zwei Jahre später um 7750 Gulden wieder veräußerte. Und der Mühlhiasl? Nicht lange blieb er in Dambach. 1804/05 wird von einem Streit mit seinem Bruder Johann berichtet, der ihn veranlasste, die Heimat zu verlassen. Es trieb ihn in den Wald. Von Mühle zu Mühle zog er als Mühlenrichter und reparierte schadhafte Anlagen. Sogar als Viehhüter und Kohlenbrenner soll er sich verdingt haben, um zu überleben. Er soll sich in der Gegend um Rabenstein aufgehalten und in Zwiesel seine letzte Ruhe gefunden haben. Über den Ort und die Zeit seines Todes wird viel gerätselt. Genaues ist nicht bekannt. Er soll 1809 gestorben sein, weil in diesem Jahr seine Frau Barbara als Witwe bezeichnet wird. Andere verlegen seinen Tod auf das Jahr 1825, in dem auch sein Bruder Johann verstorben ist. Pfarrer Landstorfer setzt seinen Tod in die Zeit zwischen 1810 und 1820, W. J. Beck sogar zwischen 1825 und 1830. Ob dieses Rätsel jemals gelöst werden kann?
 

Der Bruderzwist und das Mühlhiaslkreuz

Ein Ereignis aus dem Leben des Mühlhiasl soll hier noch angeführt werden. Wolfgang Johannes Beck schreibt in seinem Buch „Mühlhiasl“, der Seher des Bayerischen Waldes. Deutung und Geheimnis“:
 
1935 wurde der Pfarrprovisor Lecker von Hunderdorf zu einer Sterbenden gerufen. Sie lebte in der Oberen Klostermühle, der Apoigermühle, die früher an Mathäus Lang, alias Mühlhiasl, verstiftet gewesen war. Nachdem Pfarrer Lecker die Sterbesakramente gespendet hatte, bemerkte er an der Mauer neben dem Kamin ein beschädigtes, völlig verrußtes Kruzifix. Dem hölzernen Christus hingen die Arme herab, an den verschränkt angenagelten Füßen fehlten einige Teile. Der Querbalken war aus dem Lot. Pfarrer Lecker berichtet wörtlich: „Als ich so das Kreuz anschaute, meinte die Tochter der Sterbenden, „Herr Pfarrer, wolln`s dös Kreuz?“ Als ich dies bejahte, nahm ich es von der Wand. Während sie es in Zeitungspapier einwickelte, erzählte sie mir, daß dies das Mühlhiasl-Kreuz sei. Einmal hätte der Mühlhiasl hier in der Apoigermühle mit seinem Bruder Streit bekommen. Dieser Bruder war der 1755 geborene, als Hüter des Klosters Windberg beschäftigte Johann Lang. Was der Grund für den Streit war, wissen wir nicht. Im Verlauf des Streites habe der Bruder ein Messer gezogen und sei auf den Mühlhiasl losgegangen. Dieser sprang zur Seite, riß im Herrgottswinkel das Kruzifix herunter und schlug es seinem Bruder über den Kopf. Die Verletzungen des Bruders müssen sehr schwer gewesen sein, denn der Mühlhiasl habe auf der Stelle die Apoigermühle verlassen und sich im Wald versteckt. Sein Bruder überlebte den Streit und starb viele Jahre später in der Pfarrei Hunderdorf. Gelegentlich war auch vermutet worden, der Mühlhiasl sei aus Angst vor gerichtlicher Verfolgung geflohen.
 

Die Prophezeiungen des Mühlhiasl

In seine Heimat soll er nicht wieder zurückgekommen sein. In den finsteren Stuben der Waldlerhütten hörten ihm jung und alt zu, wenn er seine Weissagungen und Prophezeiungen zum Besten gab. Man staunte über seine Intelligenz und Sprachgewandtheit; viele belächelten ihn, andere bewunderten seine Sehergabe. Vieles von dem, was der Mühlhiasl vorausgesagt hatte, ist inzwischen eingetroffen, manches aber wartet auf eine Verwirklichung.
 
Über ein Jahrhundert wurden Mühlhiasls Prophezeiungen nur von Mund zu Mund weitererzählt. Daß manches hinzukam oder weggelassen wurde, was aus dem Mund des Mühlhiasl kam, kann man sich denken.
 
Pfarrer Georg Mühlbauer, der 1921 im Alter von 93 Jahren starb, erfuhr über Mühlhiasls Prophezeiungen von seinem Vater, der nahezu 97 Jahre alt geworden ist und den Mühlhiasl persönlich gekannt haben soll. Die erste schriftliche Veröffentlichung stammt aus dem Jahre 1923 aus der Feder des Pfarrers Johann Evangelist Landstorfer, gestorben 1949 in Oberalteich. Die im Straubinger Tagblatt erschienenen Prophezeiungen hat er aus dem Munde des Pfarrers Mühlbauer erfahren. Ihm ist es also zu verdanken, daß diese heute noch lebendig geblieben sind.
 
Je undurchsichtiger die Zeiten sind, desto eher neigen die Menschen dazu, alten Prophezeiungen ein gehör zu schenken und sie wieder in Erinnerung zu bringen. Immer wieder hört man: "Das hat schon der Mühlhiasl prophezeit!" Den ältesten schriftlichen Aufzeichnungen über die Weissagungen des Waldpropheten entnehmen wir nachstehende Zeilen. Bemerkenswert ist festzustellen, daß die meisten Prophezeiungen des Matthias Lang, wie der Mühlhiasl mit bürgerlichem Namen hieß, damit enden, daß er ein "Weltabräumen", also eine Art Katastrophe, vorhersagt. Viele dieser Zukunftsdeutungen scheinen sich erfüllt zu haben, wenn man auch seine Worte oft auf vielfältige Art auslegen und deuten kann.
 
Pfarrer Landsdorfer von Oberalteich hat sich vor einem halben Jahrhundert eingehend mit der Lebensgeschichte des Mühlhiasl befaßt und seine Zukunftsvisionen niedergeschrieben und veröffentlicht.
 
"Eine Zeit kommt, vo die Welt abgeräumt wird und die Menschen weniger werden". Um diese Aussage gruppieren sich viele seiner Weissagungen. "Wenn d' Bauern mit gewichsten Stiefeln (Gummistiefel?) in die Miststatt hineinstehen; wenn sich d' Bauernleut g'wandn wie die Städtischen und die Städtischen wie die Narren; wenn die Mannerleut rote und weiße Hüte aufsetzen - nacher ist nimmer weit hin." Denken wir an die Vielfalt der Mode der letzten Jahrzehnte, so ist ein wenig Wahrheit in dieser Aussage.
 
"Wenn d' Leut nichts mehr tun als fressen und saufen, wenn d' Bauernleut lauter Kuchen fressen, wenn Bauernleut d' Bauernleut lauter Kuchen fressen, wenn Bauernleut d' Hendl und Gäns selber fressen - wenn Bauern alle Awanter (Grenzraine) umackern und alle Stauern (Hecken) aushauen, wenn Bauern alle politisieren....., nacher ist nimmer weit hin." Daß es uns allen recht gut geht, was die Ernährung anbelangt, ist nicht zu leugnen. Ob er auch auf die überall durchgeführte Flurbereinigung hinspielte?
 
Viele seiner Zukunftsdeutungen zielen auf die Entwicklung des Verkehrs: "Wenn die schwarze Straß von Passau heraufgeht, wenn die schwarze Straß über die Donau herüberkommt und ins Böhm hineinläuft, wenn der eiserne Hund in der Donau heraufbellt, wenn d' Leut in der Luft fliegen können, wenn 'd Wagen ohne Roß und Deichsel fahren, wenn die meisten Leut mit zweiradeligen Karren fahren, so schnell, daß kein Roß und kein Hund mitlaufen kann - dann steht's nimmer lang an." Zu diesen Aussagen, sollten sie wirklich vom Mühlhiasl stammen, braucht man wohl nichts nichts hinzuzufügen. In Hunderdorf zeigt er genau jene Stelle an, an der später die Eisenbahnlinie erbaut wurde: "Bis hierher und nicht weiter".
 
Auch über die Besiedelung unseres Raumes machte er Aussagen. " In der Stadt werden fünf- und sechsstöckige Häuser 'baut, überall werden Häuser 'baut, Häuser werden 'baut wie 'd Schlösser und d' Pfarrhöf, Schulhäuser werden 'baut wie Paläst." Wenn wir die moderne Art zu bauen betrachten, könnte der Mühlhiasl gar nicht Unrecht gehabt haben. "In Lintach wird alles voller Häuser und Lehmhütten ang'schlöttet, aber nacher wachsen einmal Brennesseln und Brombeerndörn zu'n Fenstern außer". Am früheren Weiher von Eglsee zeigte er genau die Stellen an: "Da wird ein Haus baut", dort steht heute das Gemeindehaus. Schwer zu deuten ist nachstehende Weissagung. War mit ihr das Haus in Breitfeld oder das lange Zeit unverputzte Noltewerk gemeint? "Da wird ein Haus 'baut, wird aber zuvor nicht aus'baut, wenn's gleich schon lange 'baut ist."
 
Über Religion sagte er voraus: "Zuerst kommen die vielen Jubiläen - überall wird übern Glauben gepredigt, überall sind Missionen. Kein Mensch kehrt sich daran. D'Leut werd'n erst recht schlecht. D'Religion wird noch so klein, daß mans in ein' Hut hineinbringt. Der Glauben wird so dünn, daß man ihn mit der Geißl abheuen kann. Der Glauben wird so wenig, daß man ihn mit'm Geißelschnappen vertreiben kann. Übern katholischen Glauben spott'n am besten die eigenen Christen".
 
Auch über die Wirtschaft wußte er zu berichten: "s' Gold geht zu Eisen und stahl. Um ein Goldstück kann man noch einen Bauernhof kaufen. - s'Holz wir so teuer wie der Zucker, aber g'langen tuts." Ob hier die Energiekriese herhalten muß? - "Einerlei Geld kommt auf. Geld wird gemacht, so viel, daß mans gar nimmer kennen kann, wenns gleich lauter Papierflanken sind (Inflation nach dem 1. Weltkrieg!), kriegen die Leut nicht genug daran. Auf einmal gibts keins mehr".
 
Da dem Mühlhiasl nachträglich Dinge als "geweissagt" untergeschoben werden, die er gar nicht gesagt hat, ist verständlich. denn wir Menschen werden immer unsere Deutungen, unsere Ängste und Befürchtungen hineinlegen, aber auch unsere Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit. 


Der Seher von Apoig hat doch gelebt!

Neue Forschungsergebnisse durch Dr. Odzuck (von Kornel Klar)

Am 31. Dez. 2001 wurde im Straubinger Tagblatt ein neues Buch unter dem Titel „Auf den Spuren des Mühlhiasl, eine Tatsachenerhebung“ vorgestellt. Der Autor, Dr. Wolfgang Odzuck, stellt darin fest, dass nicht der bisher vermeintliche Mathias Lang d.J., geb. 16.09.1753, der sog. „Mühlhiasl, der Seher“ war, sondern sein Bruder Johann, geb. am 28.04.1755. Zu dieser Annahme kommt der Autor durch die Studie seines Lebens und das Anforderungsprofil an den Mühlhiasl. Bestärkt wurde Dr. Odzuck in dieser Feststellung durch einen abgedruckten Bericht um 1920 von J.B. Raun, der den Seher nicht als Mühlhiasl, sondern Mühlhansl mehrfach nennt. Hansl sei dabei die Kurzform des Namens Johann. Diese Behauptung ist ein ganz neuer Gesichtspunkt in der Mühlhiaslforschung.
 
Was die Prophezeiungen des Sehers von Apoig betrifft, hat Dr. Odzuck keine wesentlichen Unterschiede zu den schon bekannten Aussagen anderer Autoren entdeckt. Ausführlich beschäftigt sich das neue Buch mit dem Leben der Personen, die im Zusammenhang mit den Weissagungen des Mühlhiasl bzw. Mühlhansl stehen, auf die hier kurz eingegangen wird. Odzuck hat die Kenntnisse dazu beim Studium der Kirchenbücher (Geburts-, Heirats- und Sterbeartikel) der Pfarrei Hunderdorf im Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg, im Staatsarchiv Landshut, Pflegegericht Mitterfels und in vielen anderen Quellen erforscht.
 
Mathias Lang d.Ä. war mit Anna Maria, geb. Iglberger, von Grub bei Hunderdorf verheiratet. Beide hatten die Kinder Mathias d.J. und Johann.
 
Mathias d.J. wurde am 16.09.1753 in Apoig geboren. Er war mit Barbara, geb. Lorenz (geb. 28.11.1765) aus Recksberg bei Haselbach verheiratet und hatte mit ihr 7 Kinder (bei anderen Autoren sind es 8). Unter ihnen die Söhne Wolfgang, geb. 08.09.1789 und Josef, geb. 08.01.1791. Mathias d.J. soll 1778 bzw. 1788 die Mühle von seinem Vater übernommen haben. 1801 übersiedelt er mit seiner Familie nach Straubing, wo sie eine Gärtnerei erwarben. Mathias d.J. soll 1805 in Straubing gestorben sein. Er wurde bisher als der weit bekannte Prophet Mühlhiasl betrachtet. Mathias Lang d.J. wurde eigentlich als Mathäus getauft, doch fast alle Autoren nennen ihn mit dem Namen Mathias .
 
Johann Lang, geb. am 28.04.1755, war der Bruder des Mathias d.J. und ehelichte 1789 Anna Maria Schreiner, die illegale Tochter des Webers Johann Schreiner von Rankam bei Degernbach. Ihre Mutter Walburga Schreiner hat Anna Maria, eine geb. Mayr aus Untermenach, an Johann Lang verheiratet. Nach Dr. Odzuck war Johann der im Walde bekannt gewordene Prophet Mühlhiasl. Er wird als Hirte beim Geburtseintrag der Söhne Jakob und Martin bezeichnet. Nach dem Verkauf der Apoiger Mühle soll Johann beim neuen Besitzer Joseph Lettl als Mühlknecht und dann bei seinem Vetter Georg Lang auf der Klostermühle in Dambach gewohnt haben. Nach einem Streit mit dem Bruder Mathias verschwindet er von Apoig und verdingt sich als Hirte im mittleren Bayerischen Wald. Er muss jedoch an seinen Heimatort zurück gekehrt sein, da er am 08.07.1825 in Hunderdorf beerdigt wurde. Johann konnte nicht schreiben, was aus dem Heiratsbrief seines Sohnes Jakob vom 21.01.1825 hervorgeht. Johann Lang hatte die Söhne Jakob, beb. 17.07.1790 und Martin, geb. 11.11.1791.
 
Georg Lang, Sohn des Bruders von Mathias Lang d.Ä., also der Vetter der Brüder Mathias d.J. und Johann, wurde am 24.04.1757 auf der Höllmühl bei Mitterfels geboren. Bei der Säkularisation des Klosters 1803 erwarb e die Klostermühle in Dambach. 1804 heiratete er die Rosina Staudinger und starb am 07.02.1833 auf der Klostermühle als Müller und Gütler.
 
Ob nun Mathias d.J. oder sein Bruder Johann, wie Dr. Odzuck behauptet, der berühmt gewordene Prophet des Waldes ist, ist für die Person des als Mühlhiasl bekannten Sehers sicher noch nicht eindeutig geklärt. Auf alle Fälle ist auch durch diese neuen Forschungsergebnisse bestätigt worden, dass der Mühlhiasl oder Mühlhansl gelebt hat und Angehöriger der Müllersfamilie Lang war, die seit 1689 auf der Mühle in Apoig nachgewiesen ist.
 
Besitzer der Mühle in Apoig:
 
bis       1689 Kaspar und Maria Hagnberger
ab        1689 Familie Lang
            1778/1788 Mathias Lang d.J.
            1799 Pächter Johann Probst
            1801 Joseph Lettl
            1803 Wolfgang Sperl
            1804 Johann Schießl
            1811 Versteigerung
um       1850 Brandschaden
            1908 Josef Hobmeier
            1968 Georg Schneider
            1986 Dieter Schneider



Folgende Ereignisse soll die Legende aus dem Bayrischen Wald vorausgesagt haben:

  • Zeppelin, Aufklärungsflugzeuge: „Wenn ein großer Fisch über den Wald fliegt.“
  • Ärmere Bevölkerungsschichten: „Es wird sich zeigen, dass der Bettelmann auf dem Ross nicht zu derreiten ist.“
  • Klimaschock: „Wenn man Sommer und Winter nicht mehr unterscheiden kann.“
  • Einführung der Eurowährung: „Einerlei Geld kommt auf.“
  • Die moderne Gesellschaft: „Wenn man Mandl und Weibl nimmer auseinanderkennt“
  • Sittenverfall in der Gesellschaft: „Die Bauernleut werden sich gewanden wie die Städtischen, und die Städtischen wie die Narren.“
  • Der Dritte Weltkrieg: „Der letzte Krieg wird der Bankabräumer sein.“








Autor: Tom Weyermann / MF-Redaktion
Quellen: Bayerisches Archivar / Wikipedia / SüdOstVerlag
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